Rund 5.000 Kilometer liegen zwischen Abidjan, der größten Stadt der Elfenbeinküste, und Simbach am Inn. Diese Entfernung hat Zouo Gbazale Sosthene-Caleb zurückgelegt, um an der Realschule Simbach als Fremdsprachenassistent tätig zu sein. Der 25-Jährige unterstützt die Französischlehrkräfte im Unterricht und ermöglicht den Schülern, die französische Sprache aus einer ganz neuen Perspektive kennenzulernen.

In seiner Heimat studiert Sosthene-Caleb Germanistik mit dem Schwerpunkt Literatur. Neben der deutschsprachigen Literatur beschäftigt er sich sowohl mit Landeskunde als auch mit Linguistik. Sein Masterstudium möchte er im Juli 2027 abschließen. Dass er sich für einen Aufenthalt in Deutschland entschieden hat, kommt nicht von ungefähr: Schon lange begeistert er sich für die deutsche Sprache und Kultur. Gleichzeitig möchte er seine Freude am Unterrichten mit anderen teilen: „Ich unterrichte sehr gerne und möchte meine Kenntnisse und Erfahrungen weitergeben.
Gleichzeitig möchte ich das Land besser kennenlernen und mein Deutsch verbessern.“ Sich selbst beschreibt Sosthene-Caleb als fleißig, ehrgeizig und positiv – Eigenschaften, die ihm sowohl bei seinem Studium als auch bei seiner Tätigkeit als Fremdsprachenassistent zugutekommen. An vier Tagen pro Woche ist Caleb insgesamt zwölf Stunden an der Schule im Einsatz. Gemeinsam mit den Französischlehrerinnen Tina Kainzelsperger und Anne Ritter gestaltet er den Unterricht abwechslungsreich und lebendig. Er liest französische Texte vor, übt mit den Jugendlichen die richtige Aussprache, unterstützt sie bei Aufgaben und erklärt bei Bedarf einzelne Unterrichtsinhalte. Auch am Sportunterricht nimmt der begeisterte Fußballspieler gelegentlich teil.

Besonders bewundert er die Lernbereitschaft der Jugendlichen. Obwohl Französisch nicht immer einfach ist, beteiligen sich die Schüler aktiv am Unterricht. Sie trauen sich auch, Antworten zu geben, wenn sie sich nicht ganz sicher sind. Gerade diese Offenheit macht ihm die Arbeit sehr angenehm. „Für die Jugendlichen bietet seine Anwesenheit eine wertvolle Gelegenheit, Französisch nicht nur als Schulfach, sondern als lebendige Sprache kennenzulernen. Gleichzeitig erfahren sie aus erster Hand Interessantes über die Elfenbeinküste, das Leben in Westafrika und kulturelle Unterschiede“, freut sich Studienrätin Tina Kainzelsperger über den Zuwachs in ihrer Fachschaft.
An der Realschule Simbach fühlt sich Caleb gut aufgenommen, denn er schätzt die Gastfreundschaft und das persönliche Miteinander. Auch die Ausstattung der Schule hat Eindruck hinterlassen – allen voran die moderne Turnhalle und die technischen Möglichkeiten in den Klassenzimmern. Natürlich fallen Caleb auch Unterschiede zwischen dem deutschen und dem westafrikanischen Schulalltag auf. Ein besonders sichtbarer Unterschied ist die Schulkleidung: Während die Jugendlichen an der Realschule Simbach ihre Kleidung selbst auswählen können, tragen die Schüler in seiner Heimat einheitliche Schuluniformen.
Simbach am Inn war Caleb vor seinem Aufenthalt völlig unbekannt. Mittlerweile weiß er die Vorzüge der kleinen Stadt zu schätzen. Ihm gefallen zum Beispiel der überschaubare Verkehr und die freundliche Atmosphäre. Auch das deutsche Alltagsleben hält für ihn einige interessante Beobachtungen bereit. Die Pünktlichkeit, die Organisation des öffentlichen Lebens und das Verkehrssystem haben ihn beeindruckt – ebenso die Tatsache, dass Radfahrer vielerorts eigene Wege haben oder Autofahrer Rücksicht auf Fußgänger nehmen.
Doch nicht nur im Klassenzimmer gibt es für Caleb viel zu entdecken. In seiner Freizeit spielt er gerne Fußball, hört Musik, liest Bücher und beschäftigt sich mit Literatur. Außerdem produziert er Videos für soziale Medien und interessiert sich dafür, neue Menschen und Kulturen kennenzulernen.
Auch wenn er sich in Simbach wohlfühlt, vermisst er natürlich seine Familie und seine Freunde in Abidjan. Zu seinen Eltern, seinen beiden Schwestern und seinem Bruder hält er regelmäßig telefonisch Kontakt. Für seinen weiteren Aufenthalt hat sich der 25-Jährige einiges vorgenommen. Vor allem möchte er möglichst viele bayerische Städte besuchen und noch mehr Eindrücke von Land und Leuten sammeln.
